Von Yasir A. B. · Head of TNK
Instagram 2026: Weitergeleitet schlägt geliked
In fast jedem Unternehmen, das Social Media betreibt, gibt es dieselbe Frage nach dem Monatsbericht: Wie viele Likes hatten wir? Die Zahl ist einfach zu verstehen, sie steht sichtbar unter jedem Beitrag – und sie ist 2026 die am wenigsten aussagekräftige Kennzahl auf Instagram. Was heute darüber entscheidet, ob Ihr Beitrag 400 oder 40.000 Menschen erreicht, ist eine andere Zahl, die in den Insights deutlich unscheinbarer daherkommt: wie oft Ihr Beitrag per Direktnachricht an eine andere Person weitergeleitet wurde.
Drei Signale entscheiden – Likes sind nur eines davon
Instagram-Chef Adam Mosseri hat im Lauf des Jahres mehrfach bestätigt, worauf die Verteilung tatsächlich beruht: auf der Wiedergabezeit (Watch Time), auf den Weiterleitungen im Verhältnis zur Reichweite (Sends per Reach) und auf den Likes im Verhältnis zur Reichweite (Likes per Reach). Entscheidend ist die Arbeitsteilung zwischen diesen Signalen. Likes bewegen vor allem die Reichweite bei Menschen, die Ihnen bereits folgen. Weiterleitungen dagegen sind das stärkste Signal dafür, ob ein Beitrag auch Nichtfollowern ausgespielt wird – also in Explore, in den Reels-Empfehlungen und bei Menschen, die Ihr Unternehmen noch nicht kennen. Mosseri beziffert das Gewicht einer Weiterleitung grob mit dem Drei- bis Fünffachen eines Likes, wenn es um diese kalte Reichweite geht. Für ein Unternehmensprofil, das neue Kunden gewinnen soll und nicht die eigene Belegschaft unterhalten, ist damit klar, welche Zahl im Report nach oben gehört.
Warum „weiterleitbar" ein handfestes Content-Kriterium ist
Ein Like kostet eine halbe Sekunde und sagt wenig. Eine Weiterleitung bedeutet, dass jemand beim Ansehen an eine konkrete andere Person gedacht hat – an den Kollegen, den Partner, die Freundin, die gerade dasselbe Problem hat. Genau das ist der Prüfstein für jeden Beitrag, bevor er veröffentlicht wird: An wen würde ein Zuschauer das hier schicken, und warum? Inhalte, die diese Frage bestehen, sehen anders aus als der übliche Unternehmensfeed. Der Handwerksbetrieb zeigt eine Vorher-nachher-Sequenz mit der echten Bauzeit und dem echten Preisrahmen. Die Steuerkanzlei macht aus den Fristen des Quartals eine Übersicht, die man Mandanten weiterschickt, statt eines Fotos vom Büro. Das Autohaus filmt in 30 Sekunden die drei Dinge, die bei der Gebrauchtwagenübernahme regelmäßig schiefgehen. Was dagegen zuverlässig niemand weiterleitet: Jubiläumsgrafiken, Teamfotos ohne Kontext und Beiträge, die mit „Wir freuen uns, bekanntgeben zu dürfen" beginnen.
Formate: Reels und Karussells tragen, das Einzelbild verliert
Die Formatfrage folgt derselben Logik. Reels und Karussells erzeugen Verweildauer – bei Reels durch Ansehen und Wiederholen, bei Karussells durch das Weiterwischen von Karte zu Karte. Das klassische Einzelbild hat beides nicht und verliert entsprechend an Reichweite. Praktisch heißt das: Die ersten drei Sekunden eines Videos müssen ohne Ton und ohne Vorrede klarmachen, worum es geht, und die erste Karte eines Karussells muss einen Grund liefern, überhaupt zu wischen. Ein weiterer Punkt betrifft Unternehmen, die ihren Feed mit fremden Inhalten füllen: Seit dem Frühjahr 2026 verlieren reine Reposts ohne eigene Leistung ihren Platz in den Empfehlungen. Kuratieren allein reicht nicht mehr, eigene Aufnahmen sind auch wirtschaftlich die bessere Entscheidung – sie sind ohnehin die Basis jeder brauchbaren Content-Produktion.
Die stille Chance für kleine Unternehmensprofile
Was in der Debatte über sinkende organische Reichweiten untergeht: Die Verteilung läuft inzwischen weitgehend über Prognosen, nicht über die Followerzahl. Instagram spielt einen neuen Beitrag zunächst einer kleinen Testgruppe aus und weitet die Ausspielung aus, sobald die Signale stimmen. Seit den Anpassungen im September hat sich dieser Mechanismus für kleinere Konten weiter verbessert. Für den Mittelstand ist das die eigentlich gute Nachricht: Ein Profil mit 800 Followern kann mit einem Beitrag, der oft weitergeleitet wird, mehrere Zehntausend Menschen erreichen – während ein gekaufter Follower-Bestand ohne Interaktion heute praktisch wertlos ist. In Deutschland nutzen rund 71 Millionen Menschen soziale Netzwerke, im Schnitt etwa 100 Minuten täglich. Die Frage ist nicht, ob Ihre Zielgruppe dort ist, sondern ob Ihre Beiträge den Sprung aus der Testgruppe schaffen.
Was Sie ab dem nächsten Monatsbericht messen sollten
Stellen Sie Ihr Reporting auf drei Werte um. Erstens die Weiterleitungen pro Reichweite: In den Insights finden Sie sie als „Geteilt" beziehungsweise „Sends" – teilen Sie diese Zahl durch die Reichweite des Beitrags und beobachten Sie die Entwicklung über drei Monate. Zweitens die durchschnittliche Wiedergabezeit Ihrer Reels statt der reinen Aufrufe; ein Video mit 2.000 Aufrufen und drei Sekunden Verweildauer ist schwächer als eines mit 600 Aufrufen und zwölf Sekunden. Und drittens den Anteil der Reichweite, der von Nichtfollowern kommt – das ist die Zahl, die Wachstum tatsächlich abbildet. Wenn Sie diese drei Werte kennen, wird auch die Frequenzdiskussion einfacher: Drei Beiträge im Monat, die weitergeleitet werden, bringen mehr als zwölf, die niemand über den eigenen Feed hinausträgt.
Unter dem Strich hat sich die Anforderung verschoben, nicht erhöht: Nicht mehr Beiträge, sondern Beiträge mit einem Grund zum Weitergeben. Das setzt voraus, dass jemand die Zahlen regelmäßig liest, Formate konsequent testet und das Ergebnis mit dem verbindet, was im Unternehmen tatsächlich gefragt ist. Genau diese Arbeit übernehmen wir für unsere Kunden im laufenden Kanal-Management und in der Social-Media-Betreuung. Wenn Sie wissen möchten, wie Ihr Profil in diesen drei Kennzahlen heute dasteht, schauen wir uns das in einem kostenlosen Erstgespräch gemeinsam an.
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